MulchVolume

Hackschnitzel oder Rindenmulch?

Kurz gesagt: Es kommt auf die Anwendung an

Keines der beiden Materialien hat gegenüber dem anderen einen allgemeinen Vorteil; welches sich eignet, hängt davon ab, wo und wie es eingesetzt wird.

Rindenmulch und Hackschnitzel sind beide Mulchauflagen aus Holz mit einem weiten C/N-Verhältnis, und für beide wird deshalb eine Ausgleichsdüngung genannt.

Die hier zitierten Quellen unterscheiden sich in der Schichtdicke, in der Körnung und darin, wie lange das Material bis zur Erneuerung hält – auch deshalb, weil sie unterschiedliche Anwendungen beschreiben.

Im Folgenden stehen diese Unterschiede jeweils mit ihrer Quelle und dem Anwendungsbereich, auf den sie sich bezieht.

Begriffe: Hackschnitzel, Holzhackschnitzel, Holzhäcksel

Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) bezeichnet das in ihren Obstbauversuchen eingesetzte Material sowohl als Hackschnitzel als auch als Holzhackschnitzel – im selben Versuch und im selben Abschnitt. Die Hessische Gartenakademie (LLH) verwendet für gehäckseltes Holz als Mulchauflage dagegen den Begriff Holzhäcksel. Auf dieser Seite steht deshalb jede Angabe unter genau der Bezeichnung, die die jeweilige Quelle selbst verwendet.

Vergleich auf einen Blick

Die folgende Übersicht stellt nur Angaben gegenüber, die die zitierten Quellen tatsächlich machen. Wo eine Seite keine vergleichbare Angabe hat, bleibt die Zeile bewusst einseitig; erfundene Gegenwerte gibt es hier nicht. Schüttdichte, Ergiebigkeit pro Quadratmeter, Sack- und Palettengrößen sowie Preise stehen nicht in der Tabelle, weil dazu für gehäckseltes Holz keine Quelle vorliegt.

MerkmalRindenmulchHackschnitzel / Holzhackschnitzel / Holzhäcksel (je nach Quelle)
Materialmeist heimische Nadelholzrinde; Eichen- und Kiefernrinde sind am abbaustabilsten, Fichtenrinde am wenigsten (LLH Hessen)im LWG-Versuch Hackschnitzel aus Laubholz (LWG Bayern); in einem weiteren LWG-Versuch Holzhackschnitzel aus Nadelholz bzw. Nadelholzrinde (LWG Bayern)
Schichtdicke3–5 cm bei bodendeckenden Gehölzen, 5–8 cm bei strauchartigen Gehölzen und Bäumen (LLH Hessen)als Holzhäcksel 5–7 cm im kommunalen Grün (LLH Hessen); im LWG-Obstbauversuch ca. 10 cm ausgebracht (LWG Bayern) (LWG-Versuch, Obstbau, 2020–2023)
Körnung10–40 mm für kleinere Gehölze und Stauden, 10–80 mm für größere (LLH Hessen)für Holzhäcksel werden 10–50 mm empfohlen, für gute Luftzirkulation und eine geringere Stickstoffbindung als bei feinerer Körnung (LLH Hessen)
Zersetzung und ErneuerungNährstofffreisetzung über etwa drei Jahre (LLH Hessen)Holzhäcksel werden nach etwa drei Jahren erneuert (LLH Hessen); im LWG-Versuch nach zwei Vegetationsperioden noch gut erhalten, im dritten Jahr erneuert (LWG Bayern) (LWG-Versuch, Obstbau, 2020–2023)
Gerbstoffe und Vorlagerungenthält pflanzenschädigende Gerbstoffe und sollte vor der Nutzung mehrere Jahre abgelagert werden (LLH Hessen)Holzhäcksel enthalten weniger Gerbsäuren als Rindenmulch, sollten aber trotzdem einige Monate anrotten (LLH Hessen)
C/N-Verhältnis und Stickstoffweites C/N-Verhältnis, langsamer Abbau unter hohem Stickstoffverbrauch, Ausgleichsdüngung nötig (LLH Hessen, bestätigt durch RETERRA)weites C/N-Verhältnis; bei allen Holzhackschnitzeln auf eine ggf. nötige Ausgleichsdüngung achten (LWG Bayern); im LWG-Versuch C/N 134 im Labor und keine nennenswerte Stickstoff-Immobilisierung in den Bodenproben (LWG Bayern) (LWG-Versuch, Obstbau, 2020–2023)

Rindenmulch: was die Quellen sagen

Nach Angabe der Hessischen Gartenakademie (LLH Hessen) besteht Rindenmulch meist aus heimischer Nadelholzrinde. Die beste Abbaustabilität haben Eichen- und Kiefernrinde, die geringste hat Fichtenrinde.

LLH Hessen ordnet die Körnung dem Pflanzentyp zu: eine feinere Körnung von 10–40 mm eignet sich für kleinere Gehölze und Stauden, die gröbere von 10–80 mm für größere Gehölze und Bäume. Generell gilt nach LLH Hessen: je gröber die Körnung, desto langsamer die Zersetzung. Diese Aussage betrifft die Abbaugeschwindigkeit; ein allgemeiner Zusammenhang zwischen Körnung und Schüttdichte lässt sich daraus nicht ableiten.

In der Rinde sind pflanzenschädigende Gerbstoffe enthalten; nach LLH Hessen sollte sie deshalb vor der Nutzung mehrere Jahre abgelagert werden.

Zur Schichtdicke gibt LLH Hessen bei bodendeckenden Gehölzen 3–5 cm an, bei strauchartigen Gehölzen und Bäumen 5–8 cm. Die Unterscheidung nach Pflanzentyp ist Teil der Angabe und wird hier nicht zu einer einzelnen Zahl verkürzt.

Hackschnitzel: was die Quellen sagen

Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) hat gehäckseltes Holz als Mulchauflage im Obstbau untersucht. In einem Interreg-Versuch an Apfelbäumen wurden Hackschnitzel aus Laubholz eingesetzt; in einem weiteren LWG-Versuch standen Holzhackschnitzel aus Nadelholz und aus Nadelholzrinde unter den geprüften Mulchmaterialien.

Aus diesen Versuchen berichtet die LWG einige Beobachtungen, die jeweils nur für den betreffenden Versuch gelten und keine allgemeine Empfehlung sind: Im Interreg-Versuch war der Beikrautbedeckungsgrad bei den Hackschnitzeln am geringsten (LWG-Versuch, Obstbau, 2020–2023). In der zweiten Vegetationsperiode war die Hackschnitzelvariante feuchter als die anderen Varianten – bis zu 10 % mehr volumetrischer Wassergehalt als in der unbehandelten Kontrolle (LWG-Versuch, Obstbau, 2020–2023). Der Stammdurchmesserzuwachs war bei den Hackschnitzeln statistisch signifikant höher als in der Kontrolle, und 2022 hatten sie den höchsten Ertrag aller Varianten (LWG-Versuch, Sorte Pinova, Obstbau, 2020–2023).

Im Versuch wurden die Hackschnitzel in einer Schichtdicke von etwa 10 cm ausgebracht und im Frühjahr 2023 erneut aufgetragen, weil sie nach zwei Jahren bereits stark zersetzt waren (LWG-Versuch, Obstbau, 2020–2023).

Schichtdicke: unterschiedliche Angaben, unterschiedliche Anwendungen

Für Rindenmulch nennt LLH Hessen 3–5 cm bei bodendeckenden Gehölzen und 5–8 cm bei strauchartigen Gehölzen und Bäumen – eine nach Pflanzentyp unterschiedene Angabe einer Landesbehörde für Beete und Freiflächen.

Für Holzhäcksel als Mulchauflage im kommunalen Grün gibt dieselbe Quelle 5–7 cm an, ohne eine Unterscheidung nach Pflanzentyp.

Im LWG-Obstbauversuch wurden die Hackschnitzel dagegen in etwa 10 cm Höhe ausgebracht (LWG-Versuch, Obstbau, 2020–2023). Das ist eine Versuchsangabe für den Unterstockbereich einer Obstanlage, keine allgemeine Empfehlung.

Diese drei Angaben – 3–5 bzw. 5–8 cm, 5–7 cm und etwa 10 cm – beschreiben verschiedene Materialien in verschiedenen Anwendungen. Sie werden hier nebeneinander genannt und weder gemittelt noch zu einer einzigen Zahl zusammengeführt.

Zersetzung und Erneuerung

Nach LLH Hessen setzen Rindenmulch, Holzhäcksel und Mulchkompost etwa drei Jahre lang Nährstoffe frei; Holzhäcksel müssen nach etwa drei Jahren erneuert werden. Auf die Dauer bezogen behandelt LLH Hessen die beiden Materialien damit als gleichwertig, nicht als unterschiedlich.

Im LWG-Obstbauversuch waren die Hackschnitzel auch in der zweiten Vegetationsperiode noch gut erhalten; sie wurden im Frühjahr 2023 erneut ausgebracht, weil sie nach zwei Jahren bereits stark zersetzt waren (LWG-Versuch, Obstbau, 2020–2023).

Beide Quellen deuten in dieselbe Richtung – eine Erneuerung innerhalb weniger Jahre –, nennen aber unterschiedliche Werte in unterschiedlichem Zusammenhang. Ein Urteil, welches Material länger hält, lässt sich daraus nicht ableiten.

Stickstoff und Ausgleichsdüngung

Rindenmulch hat nach LLH Hessen ein weites C/N-Verhältnis und wird nur langsam und unter hohem Stickstoffverbrauch abgebaut; deshalb wird eine Ausgleichsdüngung genannt. RETERRA bestätigt dies für das eigene Produkt.

Für Holzhäcksel schreibt LLH Hessen: durch ihr weites C/N-Verhältnis fixieren sie Stickstoff, sodass eine Ausgleichsdüngung nötig ist; nach einiger Zeit kommt es jedoch zu einer Nachlieferung von Nährstoffen.

Die LWG kommt im Leitfaden zu einem gleichlautenden Hinweis: bei allen Holzhackschnitzeln sollte auf eine ggf. nötige Ausgleichsdüngung geachtet werden, bedingt durch den hohen Kohlenstoffanteil im Holz.

In einem LWG-Obstbauversuch hatten die Hackschnitzel ein im Labor bestimmtes C/N-Verhältnis von 134; die gezogenen Bodenproben wiesen dennoch keine nennenswerte Stickstoff-Immobilisierung auf, und es zeigte sich kein negativer Effekt auf das Wachstum der Bäume. Die LWG merkt an, dass die Auswirkung längerfristig betrachtet werden sollte (LWG-Versuch, Obstbau, 2020–2023). Von der LWG zitierte Untersuchungen der Fachhochschule Erfurt (Müller 2003) fanden, dass die Stickstoff-Immobilisierung durch Hackschnitzel nach vier Jahren ihren höchsten Wert erreichte und danach wieder absank.

Der Versuchsbefund und der Düngungshinweis widersprechen sich nicht. Beide Materialien haben ein weites C/N-Verhältnis, beide Landesanstalten nennen eine Ausgleichsdüngung, und in einem Obstbauversuch war die gemessene Stickstoff-Immobilisierung gering. Stickstoff ist damit kein Merkmal, an dem sich die beiden Materialien unterscheiden.

Wie viel Material brauchen Sie?

Wie viel Rindenmulch Sie für eine bestimmte Fläche und Schichtdicke brauchen, rechnet der deutsche Rindenmulch-Rechner aus – in Litern, Kubikmetern und Säcken. Rindenmulch-Menge berechnen

Quellen und Methodik

Diese Seite vergleicht Aussagen aus zwei deutschen Landesanstalten für den Garten- und Landschaftsbau. Jede Angabe steht unter der Materialbezeichnung, die die jeweilige Quelle selbst verwendet.

Externe Quellen werden in einem neuen Tab geöffnet.

Diese Seite stellt veröffentlichte Aussagen gegenüber und führt keine eigene Berechnung durch. Von der LWG innerhalb ihrer Berichte zitierte Untersuchungen anderer Einrichtungen – etwa der Fachhochschule Erfurt oder der Lehr- und Forschungsstation für Obstbau Klein-Altendorf – werden als von der LWG zitierte Studien genannt, nicht als eigene Quellen dieser Seite.